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Bauboom auf Mallorca

Auf der Baleareninsel wird gebaut, was das Zeug hält. Es entstehen Luxusimmobilien, die das Herz höher schlagen lassen - sofern genügend Geld da ist

Weiße Luxus-Villa auf Mallorca

Klotzen statt kleckern

Höher, schneller, teurer - in den zahlreichen Neubaugebieten auf Mallorca wird es langsam eng und zumindest die Baubranche der Insel scheint von der Krise nichts mehr zu spüren. Gebaut wird am liebsten an den Küsten, vor allem rund um Palma und im Südwesten, besonders in Calvià, Bendinat und Andratx, aber auch im Südosten der Insel rund um Santanyí, Felanitx und Santa Ponça.

Eines haben die Neubauten fast überall gemeinsam: sie sind groß, modern, (extrem) luxuriös und richten sich an ausländische Käufer mit dem nötigen Kleingeld. Lediglich in Son Ferragut im Norden Palmas werden derzeit Wohnungen für den einheimischen Markt gebaut.

Palma, teures Pflaster

Die mallorquinische Hauptstadt ist bei den Bautätigkeiten auf der Insel ganz vorne mit dabei - auch, was die Preise angeht. Laut dem Sprecher der Bauträger-Vereinigung Proinba gibt es in Palma derzeit keine Neubauwohnung unter 280.000 Euro, und das unabhängig von ihrer Größe. Hinzu kommt, dass die Nachfrage deutlich höher ist als die zur Verfügung stehenden Neubau-Wohnungen.

Und es fehlt nicht nur an Wohnraum, sondern auch an möglichem Baugrund: Palma ist schlicht und einfach voll. Auf dem Rest der Insel ist ein großer Teil der noch freien Fläche inzwischen - aus gutem Grund - geschützt und darf nicht bebaut werden. Das ändert aber natürlich nichts an der steigenden Nachfrage nach Insel-Immobilien.

In Palma machen derzeit besonders zwei Viertel mit Neubauten auf sich aufmerksam: Das Luxus-Villen-Viertel Son Vida im Nordwesten und das Stadtentwicklungsgebiet Nou Llevant im Südosten der Stadt.

Nur für Multi-Millionäre: Son Vida

Der in den Hügeln, nordwestlich der Innenstadt von Palma, gelegene Stadtteil Son Vida, ist eine der exklusivsten Wohngegenden Mallorcas. Gebaut werden hier vor allem moderne Luxus-Villen finanzkräftiger Ausländer.

Die wenigen noch verfügbaren Bauplätze sind begehrt, rar - und nahezu unerschwinglich. Mit über 4,7 Millionen Euro haben die hier gehandelten Immobilien die höchsten Durchschnittspreise der Insel. Die teuerste derzeit in Son Vida zum Verkauf stehende Villa wird für 65 Millionen Euro angeboten.

Zu den Residenten in Son Vida gehören Sportler (zum Beispiel Bastian Schweinsteiger und Oliver Kahn), Adlige, Unternehmer, Politiker und Schauspieler.

Um sich als Privatmann Hoffnungen auf einen der Bauplätze [in Son Vida] machen zu können, reicht es inzwischen nicht mehr aus, einfacher Millionär zu sein.

(Johannes Kreyer, Mallorca Zeitung, 08.09.2021

Gebaut wird gerade vor allem in zwei Gebieten Son Vidas: Weiter unten, ohne Meerblick, wo die Preise für Häuser und Villen bei circa 4 bis 6 Millionen Euro liegen - und hoch oben über der Bucht von Palma in den "Son Vida Hills", wo die exklusivsten Luxusvillen stehen, die um die 10 Millionen Euro kosten, dafür aber Meerblick haben.

Sozialer Brennpunkt trifft Nobel-Viertel: Nou Llevant

Im Südosten Palmas treffen neuerdings Welten aufeinander, die sonst fein säuberlich voneinander getrennt werden. Direkt neben dem heruntergekommenen Brennpunkt-Stadtteil La Soledat entsteht das Luxus-Quartier Nou Llevant, aus dem die Stadt einen Technologiedistrikt machen möchte - ob das gutgehen kann, weiß keiner.

La Soledat, einst ein geachtetes Arbeiterviertel, ist heute Hauptumschlagplatz für Marihuana, beliebt bei Hausbesetzern und Clan-Mitgliedern. Dem neuen Luxus-Viertel nebenan guckt man hier mit gemischten Gefühlen entgegen: Während die einen wegziehen, weil sie sich das Leben hier nicht mehr leisten können, hoffen die anderen auf eine Aufwertung des gesamten Stadtteils. Und die reichen Festland-Europäer, die etwas blauäugig eine Luxus-Wohnung in Nou Llevant erstanden haben, starren erschrocken auf Autowracks und verrammelte Geschäfte. Hier wird und muss sich noch einiges tun - da sind sich alle sicher.

(Quellen: Mallorca Zeitung, Mallorca Magazin, Der Spiegel)