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Corona und die Immobilienwirtschaft

Welche Effekte hat die Krise auf die private und mittelständische Wohnungsbranche? Wir sprechen dazu mit Dr. Verena Herfort, Geschäftsführerin des BFW Nord

Frau telefoniert auf einem Bürostuhl, auf dem Tisch steht Desinfektionsseife

Gesetze könnten differenzierter sein!

Wie relevant sind gerade Themen wie Mietausfälle oder Stundungsmöglichkeiten und wie wirkungsvoll sind dabei die jüngst verabschiedeten Lösungsansätze des Gesetzgebers? Wo hakt es gerade für den Vermieter, welchen Herausforderungen sieht er entgegen? Dr. Verena Herfort, Geschäftsführerin des BFW Nord (Budesverband freier Immobilien und Wohnungsunternehmen) spricht als Sprachrohr für die Wohnungswirtschaft mit uns und wagt eine vorsichtige Zukunftsprognose für die Immobilienbranche.

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Wie schlägt sich die Immobilienwirtschaft denn so bisher in der Krise?

Wenn man sich die gesamtwirtschaftliche Lage anguckt, sind die Zeiten ja alles andere als rosig. Perspektivisch bewegen wir uns auf eine schwere Rezession zu - und solche Entwicklungen gehen natürlich auch an der Immobilienwirtschaft nicht spurlos vorbei. Im Moment sind wir allerdings insgesamt auf einem ganz guten Weg und nicht so schwer betroffen, wie andere Branchen. Es wird sich zeigen, wie schnell wir uns wieder von der Krise erholen und die Wirtschaft in den Griff bekommen. Man spricht ja bei einer Epidemie immer von einer zweiten Welle. Bei der Immobilienbranche wird es sicher erst in der zweiten oder dritten Welle herausstellen, was das ganze überhaupt mit unserer Branche macht. Im Moment laufen die Märkte noch.

Wir sind auf eine Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut Civey gestoßen, wo knapp 16% der Befragten auf die Frage ,,Denken Sie oder haben Sie Sorge, dass Sie im Laufe der Coronakrise ihre Miete nicht mehr zahlen können?'' mit ,,ja'' oder ,,eher ja'' geantwortet haben. 

Wir haben selbst Anfang April zusammen mit anderen Verbänden, unter Anderem mit dem Grundeigentümerverband, eine Umfrage durchgeführt und 880 Unternehmen nach deren konkreten Mietausfällen befragt, sowohl im Wohn-, als auch im Gewerbebereich. Dadurch haben wir festgestellt, dass im Moment der Mietausfall, also was tatsächlich nicht gezahlt wurde von den Mietern, Anfang April bei knapp unter 1 Prozent lag. Wir werden diese Umfrage in den nächsten Monaten noch einmal durchführen um zu sehen, welche Entwicklung sich abzeichnet. Allerdings muss man sich natürlich auch die Frage stellen, wie lange die Krise anhalten wird, wie viele Leute vom Kurzarbeitergeld betroffen sein werden usw. All dies kann man im Moment nicht abschätzen. Die Leute haben ganz selbstverständlich Ängste und das zeichnet sich natürlich in dem Ergebnis von 16 Prozent ab. Im Moment greifen ja auch die sozialen Systeme noch. Nur wie lange noch? Wie lange können wir das, was passiert als Land noch aushalten? Insofern sind diese 16 Prozent nicht überraschend. Wir schauen Mitte Mai bei der nächsten Umfrage, was wir da an weiteren Mietausfällen zu verzeichnen haben. Anders sieht es im Gewerbebereich aus, dort haben wir deutlich höhere Einbußen zu verzeichnen. Hier im Norden sind 16 Prozent der Ausfälle Gewerbemiete, wobei diese Prozentzahl auch nicht unbedingt repräsentativ ist, da auch nach Branche differenziert betrachtet werden muss. Denn dann haben wir teilweise Ausfälle der Gewerbemiete von über 80 Prozent zu verzeichnen im Einzelhandel, in der Gastronomie sowie im Hotelbereich. Es gibt einzelne Bereiche die sicherlich noch nicht betroffen sind, wie die Logistik, aber es gibt eben auch massiv betroffene Branchen. Es wird sich zeigen, wie schnell diese wieder auf die Füße kommen. 

Der Staat hat ja eine ganze Reihe an Maßnahmen verabschiedet, um Mieter jetzt zu schützen - wie z.B. Stundungs- oder Aussetzungsmöglichkeiten für Mieter. Wie stehen Sie als Verband dazu, halten Sie das für angemessen?

Wir haben uns sehr stark in die Gesetzgebung eingebracht, gleich als das Gesetz auf dem Tisch war und haben da unsere Anpassungen bekannt gegeben. Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden - hätten uns das Gesetz aber differenzierter und überprüfbarer gewünscht. der 3-monatige-Kündigungsschutz ist natürlich erstmal eine große Erleichterung für den Mieter. Aber es ist ein wenig Gießkannen-Prinzip. Es wäre wünschenswert gewesen, das Gesetz so differenziert zu formulieren, dass diejenigen, die es nötig haben, Gelder erhalten. Die Gelder auch wirklich für das, wofür sie bewilligt wurden, eingesetzt werden. In Hinblick auf Gewerbemieter ist nicht immer sicher, dass Geld, das den Unternehmen zur Verfügung gestellt wird auch wirklich bei den Vermietern landet. Und dadurch kommen dann auch diese hohen Mietausfälle im Gewerbebereich zustande. 

Uns war ein großes Bedürfnis, einen Appel an unsere Mitgliedsunternehmen zu richten, anstehende Mieterhöhungspläne auf Eis zu legen. Dieser Appell wurde dann auch bundesweit über alle BFW-Landesverbände an deren Verbände weitergegangen ist. 

Wenn Sie zum Abschluss vielleicht noch einmal einen Blick in die Glaskugel werfen könnten: Worauf müssen sich Vermieter oder auch Mieter einstellen?

Wenn wir etwas Gutes aus der fürchterlichen Situation, in der wir uns alle befinden mitnehmen können, dann dass wir alle einen unheimlichen Schub bekommen haben was die Digitalisierung betrifft. Bei den Vermietern und Verwaltern wird sich enorm viel tun und umstellen. Es werden Prozesse sehr viel schneller digitalisiert werden als wir uns das alle vor einem Jahr vielleicht noch vorgestellt haben. Wir können ansonsten nur hoffen, dass die sozialen Systeme durchhalten, es keinen allzu großen Umbruch gibt und den Leuten ihr Wohnort und Zuhause erhalten bleiben. Alle sagen ,,bleibt Zuhause!'', aber wenn das Zuhause unsicher ist wird eine solche Situation umso belastender. Wir können nur hoffen, dass wir es schaffen, die Bau- und Planungsprozesse weiterhin am laufen halten zu können. Genauso die Fertigstellung von Wohnungen - denn die Nachfrage wird aufgrund der Krise definitiv nicht weniger. Wir sollen eigentlich alleine in Hamburg 10.000 Wohnungen im Jahr fertigstellen. Wir können also auf fortlaufende Prozesse hoffen und darauf, diese Rezension schnell zu überwinden und stark aus dieser Situation herauszukommen. 
 

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