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Wohnen in Hamburg-Altona

Die Stadtteile Altona-Altstadt und Altona-Nord sind keine Szeneviertel, aber mittendrin, keine Altbau-Schmuckstücke, aber geschichtsträchtig. Und beliebt.
Altonaer Rathaus

Multikulti-Viertel mit bewegter Geschichte

Altona mit seinen beiden Stadtteilen Altstadt und Nord ist nicht mega-angesagt. Dafür aber tolerant, weltoffen und einfach authentisch, weshalb Altona gerade bei jungen Familien oder Paaren und Singles beliebt ist. Zudem blickt der Bezirk Altona auf eine sehr lebendige Geschichte zurück, unter anderem auf über 200 Jahre dänische Herrschaft.

Geografie und Geschichte von Altona

Die beiden Stadtteilen Altona-Altstadt und Altona-Nord gehören zum gleichnamigen Bezirk, dem insgesamt 14 Stadtteile untergeordnet sind und der der westlichste der sieben Hamburger Bezirke ist. Das Besondere an ihm ist, dass sein größter Teil bis 1938 die eigenständige Stadt Altona (Elbe) bildete und damit erst verhältnismäßig spät Teil Hamburgs wurde.

Die beiden Altona-Stadtteile grenzen heute an Ottensen und Bahrenfeld im Westen, Stellingen und Eimsbüttel im Norden sowie Sternschanze und St. Pauli im Osten. Im Süden bildet die Elbe die Grenze zwischen Altona-Altstadt und dem gegenüberliegenden Steinwerder.

Altona wird als Altena erstmals 1537 erwähnt und bezog sich zunächst nur auf ein Wirtshaus mit zweifelhaftem Ruf, um das sich dann der Ort Altona bildete. Durch die geografische Nähe gab es von Anfang an Streit zwischen Altona und Hamburg, der 1591 in einem regelrechten Grenzkrieg gipfelte und vor Gericht ausgetragen werden musste. Von diesen Zwistigkeiten ist auch eine mögliche Herkunft des Namens Altona abgeleitet - nämlich, dass er daherrührt, dass der Ort und seine berüchtigte Kneipe dem Hamburger Rat "all to nah" an der Stadtgrenze lagen. Sprachwissenschaftlich wahrscheinlicher, wenngleich auch langweiliger, ist jedoch, dass der Bach Aldenawe bzw. Altenau namensgebend für die Ortschaft Altona war.

1640 fiel das bis dato holsteinische Altona an Dänemark und blieb mehr als 200 Jahre lang dänisch. Nachdem der dänische König der Gemeinde 1644 das Stadtrecht verlieh, erlebte Altona einen regelrechten Aufschwung, sowohl wirtschaftlich als auch, was die Bevölkerungsentwicklung betrifft. Auch viele Hamburger zogen hierher und 1710 war Altona mit 12.000 Einwohnern bereits die zweitgrößte dänische Stadt nach Kopenhagen. 1713 wurde die Stadt im Großen Nordischen Krieg von den Schweden fast vollständig niedergebrannt, weshalb die wenigen bis heute erhaltenen historischen Gebäude aus der Zeit nach dem sogenannten Schwedenbrand stammen. Noch unter dänischer Herrschaft entstand in Altona der erste Freihafen Nordeuropas. Nach Dänemarks Niederlage im Deutsch-Dänischen-Krieg fiel Altona zunächst an Preußen und Österreich, geriet dann unter österreichische Verwaltung und gehörte nach dem Preußisch-Österreichischen-Krieg ab 1867 zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein.

Altona um 1850
Julius Gottheil [Public domain], via Wikimedia Commons
Blick über die Stadt Altona um 1850
(Credit: Julius Gottheil [Public domain], via Wikimedia Commons)

Aktuelle Immobilien in Altona

Wappen Altona
Jürgen Krause [Public domain], via Wikimedia Commons
Das Wappen der Stadt Altona symbolisierte Offenheit
(Credit: Jürgen Krause [Public domain], via Wikimedia Commons)

Von nun an entwickelte sich die Stadt rasant zu einer richtigen Metropole mit hoher Bevölkerungsdichte, Hauptbahnhof und Wasserfluglinie (Altona - Dresden). 1928 war Altona mit 231.872 Einwohnern die größte Stadt Schleswig-Holsteins. Zu Beginn der NS-Diktatur leistete das liberale Altona erbitterten Widerstand und wurde schließlich 1938 von den Nationalsozialisten per Gesetz von der selbstständigen Großstadt zum Stadtteil Hamburgs degradiert. 1943 wurde die ehemalige Altonaer Altstadt bei alliierten Bombenangriffen weitgehend zerstört und der historische Kern auch nicht wiederaufgebaut. Stattdessen wurden nach dem Krieg neue Straßen angelegt, Freiflächen geschaffen und schnell mit Hochhäusern und Häuserblocks sowie Notunterkünften Abhilfe gegen die akute Wohnungsnot geschaffen. Die heute noch erhaltenen ältesten Gebäude finden sich nördlich der Großen Bergstraße im Stadtteil Altona-Altstadt.

Das alte Altonaer Stadtwappen zeigte ein offenes Tor und das wurde von jeher wörtlich genommen. Altona verstand sich als offene Stadt für alle, auch diejenigen, die anderswo nicht geduldet wurden. Es herrschte ein Klima der Toleranz. Bis heute ist diese Weltoffenheit in seinen Stadtteilen zu spüren, Altona ist immer noch ein sehr multikulturelles Viertel.

Leben und Arbeiten in Altona

Nachdem das im Vergleich zu seinen Nachbarn eher schlichte Altona in den 1970er Jahren im Zuge der Werftenkrise einen Tiefpunkt und hohen Leerstand erlebte, ist es heute wieder ein beliebtes Viertel zum Wohnen.

Dabei gehört Altona-Altstadt zu den am dichtesten bebauten Stadtteilen Hamburgs. Weil immer mehr Bereiche verkehrsberuhigt werden, gibt es hier aber auch ruhige Ecken. Für die innenstadt- und elbnahe Lage sind die Mieten moderat, viele Wohnungen sind öffentlich gefördert. Das Stadtbild ist geprägt von Nachkriegsbauten, aufgrund der massiven Zerstörung im zweiten Weltkrieg gibt es gibt hier heute nur wenige Gebäude und Orte, die noch an die Stadt Altona erinnern, zum Beispiel das ehemalige Altonaer Rathaus, die Hauptkirche St. Trinitatis und - ein weiterer Ort der Ruhe - der 400 Jahre alte Jüdische Friedhof Altona, der zu den weltweit bedeutendsten jüdischen Begräbnisstätten gehört.

Doch abseits dieser ruhigen Flecken ist Altona-Altstadt vor allem ein buntes, belebtes Viertel. Liebhaber verschiedener Länder kommen hier an jeder Ecke auf ihre Kosten, sei es kulinarisch oder kulturell.

Altona-Altstadt ist shabby ohne gewollten Chic, ehrlich ohne doppelten Boden und authentisch ohne Fassade.

Joana Ekrutt, Volontärin beim Hamburger Abendblatt (Quelle: abendblatt.de)

Wer in Altona-Nord lebt, der tut es hingegen ganz sicher nicht, weil er seine Ruhe haben will. Der Stadtteil wird durchzogen von drei Hauptverkehrsstraßen, der Stresemann-, Holsten- und Kieler Straße, die selbst nachts nie ganz zur Ruhe kommen. Auch Zuglärm durch Fern-, Regional- und Nahverkehr gehört hier einfach dazu. Altona-Nord besticht durch seine Offenheit, seine Schlichtheit, seine Lage "irgendwo dazwischen", die noch bezahlbaren Mieten, sowie die sehr gute Infrastruktur, die das ausgedehnte Schienen- und Straßennetz mit sich bringt.

Deshalb ist Altona-Nord heute ebenfalls ein beliebtes Wohnviertel, wenn auch für seine Bewohner nicht ganz so identitätsstiftend wie Altona-Altstadt ("Einmal Altona, immer Altona") bzw. die schicken oder hippen umliegenden Stadtteile.

Was die Leute verbindet, ist das Gefühl, dass man nicht in so einem super angesagten Stadtteil lebt, aber das oft auch gerne tut.

Christian Hornung, Filmemacher und Regisseur der Altona-Nord-Doku "Das schräge Herz" (Quelle: Szene-hamburg.com)

Durch regen Wohnungsbau soll Altona-Nord in den kommenden Jahren noch attraktiver werden, hervorzuheben sind hier besonders die beiden Projekte Neue Mitte Altona sowie das Holsten-Quartier. In Altonas Neuer Mitte soll in den nächsten 10 Jahren auf dem brachliegenden Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs sowie dem Noch-Fernbahnhof Altona ein riesiges neues Wohnquartier mit 3.600 Wohnungen entstehen, davon je zu einem Drittel Sozial-, Miet- und Eigentumswohnungen. Der Fern- und Regionalverkehr wird dafür an die S-Bahnstation Diebsteich verlegt, während die S-Bahnstation in Altonas Zentrum erhalten bleibt. Der neue Bahnhof soll 2023 eröffnet werden.

Weitere 1.300 bis 2.000 Wohnungen sollen ab 2020 im Holsten-Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Holsten-Brauerei gebaut werden. Die Brauerei, die noch bis 2019 ein Wahrzeichen Altonas war , zieht ab 2020 ins südlich der Elbe gelegene Hausbruch um, da es sich aus Sicht der Betreiber, der dänischen Carlsberg-Brauerei, als Industriestandort heute besser eignet.

Beiden Bauprojekten sehen Altona-Nords Bewohner mit gemischten Gefühlen entgegen - die einen erwarten, ebenso wie die Politik, einen positiven Effekt, viele andere haben aber auch Angst vor steigenden Mieten. Zu ersteren gehört auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der selbst schon ewig in Altona lebt. Doch auch die Angst mancher Bürger ist nicht unbegründet, denn in den vergangenen Jahren sind die Mieten in Altona-Nord schon deutlich gestiegen, sodass heute jeder 4. Haushalt dort mehr als 40 Prozent des Einkommens in die Miete stecken muss. Dem soll jedoch die neue Soziale Erhaltungsverordnung für Altona-Nord entgegenwirken, die Mitte Juli 2019 inkraftgetreten ist und von der mehr als 24.000 Mieter profitieren. Sie schützt alteingesessene Mieter insofern vor Verdrängung aus ihrem Stadtteil, dass Baumaßnahmen nur nach Zustimmung des Bezirks vorgenommen und Mietwohnungen nicht in Eigentum umgewandelt werden dürfen. Ähnliche Verordnungen gibt es seit 2019 unter anderem auch bereits für die Stadtteile Eimsbüttel, Hoheluft-West und Stellingen-Süd, geplant ist eine weitere für Eilbek.

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in Altona

Die berühmteste Institution des Stadtteils ist der Hamburger Fischmarkt, der anders als viele inner- wie außerhalb von Hamburg meinen, nicht zum Partystadtteil St.Pauli, sondern zu Altona-Altstadt gehört - erkennbar am Altonaer Stadtwappen, das den Giebel der Fischauktionshalle schmückt. Einheimische und Touristen treffen sich hier am Sonntagmorgen gern zum Katerfrühstück. In unmittelbarer Nähe zum Fischmarkt befindet sich das Kreuzfahrtterminal Altonaer Cruise Center und dazwischen der aus dem 18. Jahrhundert stammende Holzhafen, rund um den sich heute denkmalgeschützte und neue Gebäude abwechseln, die moderne Wohnungen, Büros, Gastronomie sowie Designerläden beherbergen.

Fischauktionshalle in Altona
Ajepbah / Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons
Fischauktionshalle in Altona-Altstadt
(Credit: Ajepbah / Wikimedia Commons)
 

Nicht so berühmt, aber dafür umso schöner ist der Altonaer Balkon, ein Aussichtspunkt am Elbhang mit Grünfläche und Biergarten mit Blick über die Elbe zum Kreuzfahrtterminal und über den Hafen. Der Altonaer Balkon liegt an der Prachtstraße Palmaille, an der auch das prunkvolle Altonaer Rathaus steht. Erholungssuchende finden im dicht bebauten Altona auch im Wohlers Park ein grünes Fleckchen Ruhe. Der ehemalige Friedhof wird nicht ohne Grund auch "Tai-Chi-Park" oder "Meditationspark" genannt.

Blick vom Altonaer Balkon auf die Elbe
Swenrauh [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Blick vom Altonaer Balkon über die Elbe
(Credit: Svenrauh, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)
 

Kulturell können beide Altonaer Stadtteile mit mehreren schönen alten Kirchen aufwarten, neben St. Trinitatis zum Beispiel St. Johannis in der Altstadt sowie die Christus- und die Christophoruskirche in Altona-Nord. Außerdem gibt es zwei Musical-Theater, zum einen die Neue Flora in Altona Nord, wo zur Zeit das Musical Aladin gezeigt wird, zum anderen das neue First Stage Theater in Altona-Altstadt. An der Max-Brauer-Allee gibt es außerdem ein Kindertheater.

Auch einige bekannte Clubs und Kneipen sind in Altona zu Hause, darunter das Hafenklang, das Fundbureau sowie die urige Seemannskneipe Zum Schellfischposten, in der die Fernsehsendung "Inas Nacht" mit Ina Müller aufgezeichnet wird. Die Kultureinrichtung Altona-Nords ist die ehemalige Victoria-Kaserne, die verschiedenen Künstlern heute als Produktionsstätte dient.

Anders als andere Stadtteile ist Altona nicht so sehr für exklusive Restaurants oder glamouröse Shoppingmeilen bekannt, aber Einkaufen und vor allem sich durch alle Herren Länder essen kann man trotzdem. Die Haupteinkaufsstraßen der Altstadt sind die Große Bergstraße mit einer der ersten City-IKEA-Filialen Deutschlands sowie die Fußgängerzone Neue Große Bergstraße. In Altona-Nord finden sich die meisten Geschäfte in und um den Altonaer Bahnhof.

Stadtteil-Charakteristika

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(Titelbild: Travelling Thilo / Shutterstock)