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Wohnen in Hamburg-St. Georg

St. Georg hat sich in seiner wechselvollen Geschichte vom Aussätzigenquartier übers Schmuddel- und Rotlichtviertel bis hin zum hippen Szene-Stadtteil gewandelt, das bald vielleicht kaum noch zu bezahlen ist.
Hansaplatz in Hamburg St. Georg

Vom Außenseiter- zum Szene-Viertel

Der mitten im Zentrum Hamburgs gelegene Stadtteil St. Georg hat sein ursprünglich schlechtes, von Kriminalität und Prostiution geprägtes Image längst abgelegt. Seine Bewohner lieben die Diversität ihres buntem und toleranten Viertels - und versuchen explodierenden Mieten zu trotzen.

Geografie und Geschichte von St. Georg

Durch den hier gelegenen Hauptbahnhof ist St. Georg im Norden des Bezirkes Mitte der Verkehrsknotenpunkt Hamburgs schlechthin, insbesondere, was den Nah- und Fernverkehr mit Bus und Bahn betrifft. Angrenzende Stadtteile sind Hohenfelde, Borgfelde, Hammerbrook und Hamburg-Altstadt. Im Nordwesten bildet die Außenalster die Grenze zum Uni- und Villenviertel Rotherbaum.

St. Georg hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich, im Laufe derer es längst nicht immer so beliebt war, wie heute. Nach dem zweiten Weltkrieg war sogar mal der Abriss des gesamten Viertels im Gespräch. Doch letztlich sollte es nicht dazu kommen.

Seinen Namen hat St. Georg vom Hospital St. Georg, einem Lepra- bzw. später Pest-Krankenhaus, das um 1200 - damals noch vor den Stadtgrenzen Hamburgs - gebaut wurde. Auch später wurden in das Gebiet des heutigen Stadtteil eher diejenigen verbannt, die anderswo unerwünscht waren, zum Beispiel Schweinezüchter und Branntweinbrenner. Ab 1554 stand hier auch der Galgen von Hamburg. Das Pesthaus wurde 1606 ins heutige St. Pauli verlegt und das Hospital in einen Armenstift umgewandelt, der bis 1951 bestehen blieb. Heute befindet sich auf demselben Gelände die Asklepios Klinik St. Georg, das älteste Krankenhaus Hamburgs und ein Krankenhaus der Maximalversorgung.

Ab 1830 bildete St. Georg gemeinsam mit einem Teil Hammerbrooks die Vorstadt St. Georg und 1868 wurde es offiziell als Stadtteil ins Stadtgebiet eingegliedert. Mit dem damit einhergehenden Bauboom wuchs die Bevölkerung rasch an. Rund um den Hansaplatz entstanden viele Etagenhäuser und hier bildete sich auch das Zentrum des neuen Viertels. Einen erneuten Prestigeverlust erlebte St. Georg mit dem Bau des Hamburger Hauptbahnhofs 1906, in dessen Umfeld sich nun das horizontale Gewerbe Einzug ansiedelte und ein Image schuf, das der Stadtteil bis heute nicht ganz ablegen konnte, auch wenn die Prostitution hier inzwischen eigentlich verboten ist.

Hamburg St. Georg um 1855
Hamburg St. Georg um 1855 mit der Dreieinigkeitskirche (links)
(Bild: Wilhelm Heuer († 1890) [Public domain])

Wie auch viele andere Teile Hamburgs wurde ein großer Teil St. Georgs im zweiten Weltkrieg zerstört. Der Wiederaufbau verzögerte sich hier aufgrund von Plänen eines Alsterzentrums, eines in den 1960er Jahren vom Wohnungsunternehmen Neue Heimat geplanten Neubauprojektes, das den nahezu vollständigen Abriss des Stadtteils und Zwangsumsiedlung seiner Bewohner zur Folge gehabt hätte. Nach regem Protest gegen dieses Vorhaben wurde das Projekt 1973 endgültig aufgegeben und stattdessen die vorhandenen Altbauten saniert, die heute vielerorts das Straßenbild St. Georgs prägen.

Bis der Stadtteil sein schlechtes Image ablegen konnte, dauerte es jedoch noch etwas, da auch die Drogenszene lange Zeit rund um den Hansaplatz sehr aktiv war. Sie ist inzwischen zwar eher in andere Bezirke ausgewandert, dennoch gibt es bis heute rund um den Hauptbahnhof nach wie vor Probleme mit Prostitution und Kriminalität. Andererseits wandelt sich der St. Georg seit den 1980er-Jahren aber immer mehr in Richtung Szene-Viertel mit hippen Design-Hotels sowie schicken Cafés und Restaurants und einer bunt gemischten, multikulturell geprägten Bevölkerung, der der Spagat zwischen Schmuddel- und Luxus-Viertel bisher gut zu gelingen scheint.

Leben und Arbeiten in St. Georg

Wie auch einige andere zentral gelegene Hamburger Stadtteile, zum Beispiel St. Pauli oder die Sternschanze, ist St. Georg besonders von der sogenannten Gentrifizierung betroffen: Mietwohnungen werden vermehrt in Eigentum umgewandelt und steigende Mietpreise drohen, die alteingesessene Bevölkerung, die bisher das Herz dieses Stadtteils ausmacht, zu verdrängen und durch zahlungskräftigeres Klientel zu ersetzen. Zumindest zählt St. Georg bereits jetzt zu einem der besseren und damit teureren Pflaster der Hansestadt. Es ist folglich nicht verwunderlich, dass das durchschnittliche Einkommen hier deutlich über dem Hamburger Durchschnitt liegt.

Besonders rund um die Lange Reihe, St. Georgs Haupt-Flaniermeile mit schönen sanierten Altbauten sowie zentraler Anlaufspunkt für Homosexuelle in Hamburg, sind die Mieten in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Sie gehört inzwischen zu den 50 Straßen mit den teuersten Eigentumswohnungen Hamburgs. Wirklich exklusiv lebt es sich im Stadtteil aber natürlich direkt an der Außenalster.

"Dieser Stadtteil hält trotz aller Gegensätze zusammen."

Markus Schreiber, ehemaliger Leiter des Bezirksamtes Mitte gegenüber dem Hamburger Abendblatt (Quelle: abendblatt.de)

Die wahre Diversität und zugleich Identität des Stadtteils zeigt sich aber direkt in seinem Zentrum, am Hansaplatz, der zwar rundum durch Wohnbebauung geprägt ist, aber gleichzeitig die beiden Gesichter des St. Georgs auf einzigartige Weise vereint. Während auf der Westseite, noch vom nah gelegenen Hauptbahnhof beeinflusst, eher schmuddelige Kneipen, Sexkinos und trotz Sperrgebiets Prostitution dominieren, haben sich an seiner Ostseite Szene-Kneipen sowie schicke Cafés und Restaurants niedergelassen.

Dass diese vielen Gegensätze in St. Georg jedoch nach wie vor so gut nebeneinander existieren können, liegt nicht zuletzt an der wirklich toleranten Einstellung seiner Anwohner - etwas, das für dieses Viertel eben identitätsstiftend ist und es besonders lebenswert macht.

Nicht nur deshalb zieht St. Georg auch junge Leute an, denn hier kann man außerdem studieren: Am Berliner Tor befindet sich die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), die drittgrößte Fachhochschule Deutschlands mit 75 Studiengängen in den Bereichen Design, Medien, Information, Life Sciences, Technik und Informatik sowie Wirtschaft und Soziales und über 17.000 Studierenden. 

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in St. Georg

Durch seine zentrale Lage mangelt es St. Georg nicht an Sehenswürdigkeiten - beides Gründe, weshalb es auch bei Touristen sehr beliebt ist.

Besonders kulturell ist der Stadtteil mit dem Deutschen Schauspielhaus und dem Ohnsorg-Theater, beide direkt am Hauptbahnhof zu finden,  gut aufgestellt. Mit 1200 Sitzplätzen ist ersteres das größte Sprechtheater Deutschlands, während letzteres ein waschechtes Hamburger Original darstellt. Hier werden sowohl Stücke auf Plattdeutsch als auch auf Hochdeutsch, jedoch mit deutlicher regionaler Färbung, gezeigt. Außerdem sind in St. Georg das Hansa Varieté Theater sowie das Politbüro beheimatet, wo vor allem Freunde des Kabaretts auf ihre Kosten kommen. Filmliebhaber zieht es ins Savoy-/Metropolis-Kino und am Steintorplatz befindet sich das Museum für Kunst und Gewerbe.

Auch ein Bummel durch den Stadtteil lohnt sich, denn St. Georgs Straßen haben Verschiedenstes zu bieten. An der Langen Reihe, der Haupteinkaufsstraße, sind heute die eher schicken Cafés und Restaurants sowie hippe Szene-Läden und Boutiquen zu finden, während man sich am Steindamm einmal rund um den ganzen Globus schlemmen kann. Die Lange Reihe ist, ebenso wie die Gassen hinunter zur Alster, zum Beispiel die St. Georgstraße und der Holzdamm, auch architektonisch sehenswert, da sie von schönen Altbauten und schmucken, unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäusern geprägt sind. In der Langen Reihe treffen sich außerdem - nicht nur zum Christopher Street Day, der jedes Jahr hier startet - sondern auch sonst, gerne Homosexuelle, da sie hier ein besonders tolerantes Umfeld vorfinden. Als Symbol hierfür steht an der Ecke Kirchenallee/Lange Reihe eine Fußgängerampel, die anstelle des klassischen einzelnen Ampelmännchens Paare zeigt, je einmal ein schwules und einmal ein lesbisches.

Dem hektischen Alltag der Stadt entfliehen die Bewohner St. Georgs entweder an der Alster oder im Lohmühlenpark, der außer Erholung auch zahlreiche Spiel- und Sportmöglichkeiten für Groß und Klein bietet. An der Alster steht das Hotel Atlantic, das vor allem deshalb berühmt ist, weil Schlagerstar Udo Lindenberg hier bereits seit 1995 als Dauergast residiert. Besonders schön ist es auf der Gurlittinsel, einer 120 Meter langen Insel, die über eine Brücke für Fußgänger zugänglich ist und auf der sich der Ruder-Club Allemannia von 1866, der Hamburger Segel-Club und die Segelschule Käpt’n Prüsse befinden.

Der tolerante Charakter des Stadtteils spiegelt sich auch in seiner Religionsvielfalt wieder. Auf engstem Raum haben hier verschiedenste Glaubensgemeinschaften ein Zuhause gefunden: Am Anfang der Langen Reihe steht die evangelisch-lutherische Dreieinigkeitskirche, in der Danziger Straße der katholische Neue Mariendom, die Kathedralkirche des Erzbistums Hamburg, sowie in der Böckmannstraße die Centrum-Moschee. Eine Besonderheit ist auch die Freikirche Metropolitan Community Church (MCC), die sich als erste Kirche Deutschlands ursprünglich explizit an Schwulen und Lesben richtete.

Lange Reihe in Hamburg St. Georg
Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg St. Georg
Deutsches Schauspielhaus in Hamburg St. Georg
Neuer Mariendom in Hamburg St. Georg
Dreieinigkeitskirche in Hamburg St. Georg
Vielfaltampel in Hamburg St. Georg lesbisches Paar
Vielfaltampel in Hamburg St. Georg schwules Paar
Lohmühlenpark in Hamburg St. Georg
Gurlitt-Insel in Hamburg St. Georg
Hotel Atlantic an der Alster in Hamburg-St.-Georg
Lange Reihe in Hamburg St. Georg
Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg St. Georg
Deutsches Schauspielhaus in Hamburg St. Georg
Neuer Mariendom in Hamburg St. Georg
Dreieinigkeitskirche in Hamburg St. Georg
Vielfaltampel in Hamburg St. Georg lesbisches Paar
Vielfaltampel in Hamburg St. Georg schwules Paar
Lohmühlenpark in Hamburg St. Georg
Gurlitt-Insel in Hamburg St. Georg
Hotel Atlantic an der Alster in Hamburg-St.-Georg

Stadtteil-Charakteristika

  • #belebt
  • #hip
  • #multikulturell

(Titelbild: Oksana Shevchenko / Shutterstock)

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