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Wohnen in Hamburg-St. Pauli

Der Stadtteil St. Pauli ist weit mehr als nur Vergnügungsmeile. Willkommen in einem toleranten, szenigen und immer beliebterem Wohnviertel.
St. Pauli bei Nacht

Hamburgs buntestes Viertel

St. Pauli ist weit über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus vor allem für eins bekannt: den Hamburger Kiez mit der berühmt-berüchtigten Vergnügungs- und Rotlichtmeile Reeperbahn. Tatsächlich macht diese aber nur einen kleinen Teil des kultigen Viertels aus. Größtenteils wird es zum Wohnen genutzt und lebt von einer bunt gemischten Bevölkerungsstruktur und einem breiten kulturellen Angebot.

Geographie und Geschichte von St. Pauli

Der Stadtteil gehört zum Bezirk Hamburg-Mitte und grenzt an die Neustadt, Altona-Altstadt sowie den 2008 neu gegründeten Stadtteil Sternschanze, von dem große Teile vorher zu St. Pauli gehörten. Im Süden wird er durch die Elbe und den Hafen begrenzt.

Seine Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und ist so wechselhaft wie spannend. Die erste bekannte Besiedlung des heutigen St. Paulis war ein Kloster, dann war es gehörte es zum Hamburger Berg, der zunächst nicht besiedelt werden durfte, und später war das Gebiet denjenigen vorbehalten, die sich das Leben innerhalb der Stadtmauern nicht leisten konnten, sowie Aussätzigen und anderen unerwünschten Personen. Dazu gehörte von circa 1605/07 bis 1813/15 auch der Pesthof, später Krankenhof, ein Krankenhaus für epidemisch und psychisch Kranke.

Erst nach Aufhebung der Torsperre und der folgenden Eingemeindung 1894 wurde aus der Vorstadt St. Pauli ein Hamburger Stadtteil. Der Hamburger Berg war inzwischen vollständig abgetragen worden, um in verschiedenen Kriegen freies Schussfeld zu gewährleisten. Bis heute erinnert an die ursprünglich hügelige Landschaft jedoch die Redewendung "auf St. Pauli". Bis 1937 blieb das heutige St. Pauli noch geteilt, es gehörte teils zu Hamburg, teils zur selbstständigen Stadt Altona.

Die Hamburger Vergnügungsmeile besteht übrigens auch schon sehr lange. Sie hat ihre Ursprünge im 17. Jahrhundert, als um 1630 hier zwischen ansässigen Krambuden, Tanzlokalen und Gaststätten ein Spielbudenplatz für fahrende Händler und Schausteller entstand. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Buden durch feste Gebäude ersetzt, die von verschiedenen Kultur- und Amüsierbetrieben genutzt wurden. Noch bis heute trägt die südlich an die Reeperbahn anschließende Fläche den Namen Spielbudenplatz. Während das Vergnügungsviertel nach dem zweiten Weltkrieg zunächst wieder einen Aufschwung erlebte - nicht zuletzt aufgrund des Auftretens englischer Musikgruppen wie The Beatles, deren steile Karriere übrigens auf der Hamburger Reeperbahn begann, verlor es in den 1970er Jahren zunehmend an Attraktivität, vor allem durch Bandenkriege und andere Straftaten. Erst in den 1980er Jahren erhielt es durch die Aufführung des Musical Cats im Operettenhaus sowie der Eröffnung des Schmidt Theaters nach und nach neuen Glanz und ist seitdem zu einer weithin bekannten Hamburger Institution geworden.

St. Pauli wird seit jeher als tolerant, alternativ und links eingeordnet - was bis heute im Viertel gelebt wird und eine ganz besondere Atmosphäre schafft. 

Leben und Arbeiten in St. Pauli

Das Stadtteil ist ein wichtiges Wohnquartier in Hamburg. Seine Bevölkerung setzt sich bunt zusammen aus Studenten, ganzen Generationen von Einwandererfamilien, Künstlern, Intellektuellen sowie Sozialhilfeempfängern und Rentnern. Dabei liegt die Altenquote jedoch weit unter dem Hamburger Durchschnitt, auch der Anteil an Kindern und Jugendlichen ist geringer.

Noch ist das Wohnen in St. Pauli, trotz seiner innenstadtnahen Lage und seinem Kultstatus, eher erschwinglich, doch wie fast überall bereiten auch hier rapide steigende Mieten den alteingesessenen Bewohnern Sorge. Denn das durchschnittliche Einkommen beträgt hier etwas weniger als im Hamburger Durchschnitt und auch die Arbeitslosenquote ist höher. Besonders die weniger gut betuchten Einwohner St. Paulis haben Angst von Investoren, die alte Gebäude abreißen und durch neue Luxuswohnungen und moderne Büros ersetzen, aus ihrem Stadtteil vertrieben zu werden. Die markantesten und von der Bevölkerung kritisch beäugten Zeugen dieser Entwicklung sind die Tanzenden Türme an der Reeperbahn 1, zwei Hochhäuser, die 2012 errichtet wurden und vor allem Büroräume sowie in 105 Metern Höhe Hamburgs höchstes Restaurant beherbergen.

In den vergangenen Jahren wurden bestimmte Teile des Viertel immer wieder als schick angesehen und dementsprechend behandelt. Allein 2005 stiegen die Mieten im Stadtteil durchschnittlich um 20 Prozent. Den Trend zur hippen und teuren Wohngegend scheint man hier also kaum aufhalten zu können: Gehörte St. Pauli in den 1990er Jahren noch zu den ärmsten Stadtvierteln Europas, wird es heute hoch gehandelt, was sich natürlich in Miet- und Immobilienpreisen niederschlägt. 2012 zählte die englische Zeitung "The Guardian" St. Pauli sogar zu "the five best places to live in the world".

Auch für Unternehmen ist der Stadtteil zunehmend attraktiv, besonders für Gastronomen, Künstler und Handwerker. Den wichtigsten wirtschaftlichen Faktor stellt jedoch nach wie vor die Vergnügungsindustrie dar. Durch die Reeperbahn und die umliegenden Straßen ist St. Pauli außerdem der wichtigste Tourismusstandort Hamburgs. Dazu tragen auch die Messehallen sowie das dazugehörige Congress Center bei, die ebenfalls noch im Stadtteilgebiet liegen. Kein Wunder also, dass in St. Pauli gleich mehrere hochkarätige Hotels ansässig sind. Am auffälligsten ist das Radisson Blue - mit 108 Metern und 32 Stockwerken Hamburgs höchstes Hotel. Auch die drei Hochhäuser des Empire Riverside Hotels sind weithin sichtbar.

An der Elbe haben der Deutsche Wetterdienst und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das größte Institut dieser Art in Deutschland, ihren Sitz.

"Das Herz von St. Pauli, das ist meine Heimat
In Hamburg, da bin ich zuhaus
Der Hafen, die Lichter, die Sehnsucht begleiten
Das Schiff in die Ferne hinaus
Das Herz von St. Pauli, das ruft dich zurück
Denn dort an der Elbe, da wartet mein Glück"

Hans Albers - "Das Herz von St. Pauli"

Natürlich bringt der Kiez für den Stadtteil nicht nur Beliebtheit, sondern auch jede Menge kriminelle Energie mit sich. So macht St. Pauli mehr als andere Viertel immer wieder auch durch Negativschlagzeilen über Bandenkriege, Auftragsmorde, Körperverletzungen und andere Straftaten auf sich aufmerksam. Laut Statistik wurden 2018 hier hamburgweit, trotz eines leichten Rückgangs, die meisten schweren Gewalttaten verübt. Wer hier wohnt, muss dieses negative Seite der Vergnügungsmeile entweder wohl oder übel in Kauf nehmen oder zumindest lernen damit zu leben. Auch die Polizei tut ihr Bestes, um die Statistik weiter nach unten zu treiben, allen voran die Polizisten der berühmten Davidwache auf der Reeperbahn.

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in St. Pauli

Der Kiez mit Reeperbahn, Spielbudenplatz, Rotlichtmilieu und Seitenstraßen wie der Großen Freiheit oder der berüchtigten Herbertstraße ist sicherlich die bekannteste Attraktion des Stadtteils, dicht gefolgt vom Hamburger Hafen mit den Landungsbrücken, denen jeder Tourist zwangsläufig einen Besuch abstatten muss. Von hier aus starten die Hafenrundfahrten oder man kann durch den Alten Elbtunnel bis hinüber auf die Elbinsel Steinwerder spazieren bzw. die 426,5 Meter unter der Elbe mit dem Rad fahren.

Doch St. Pauli bietet noch weit mehr, wobei das Vergnügen fast immer im Vordergrund steht. Kulturell ist hier die Fülle an Theatern und Museen zu nennen, zum Beispiel das Panoptikum (Wachsfigurenkabinett), das St. Pauli Museum, das Hamburger Schulmuseum und das Erotic Art Museum. Außerdem finden sich hier zahlreiche Musikclubs und mehrere von den Künstlern selbst geführte Galerien.

Ein weiterer Anziehungspunkt ist das Karolinenviertel (kurz: Karoviertel), ein ehemaliges Arbeiterviertel, das heute mit Streetart, Graffiti, Cafés, Restaurants und Szene-Läden lockt. Direkt daran schließt sich im Norden und Osten das Messegelände an, das Hamburg den Ruf als bedeutende Messe- und Kongressstadt einbringt.

Im Süden des Karoviertels liegt das Heiligengeistfeld, auf dem dreimal im Jahr für jeweils vier Wochen der Hamburger Dom, ein riesiger Jahrmarkt, stattfindet. Am Heiligengeistfeld stehen sowohl der "Bunker", ein graues Betonungetüm, das einen der berühmtesten Musikclubs Hamburgs, das Übel&Gefährlich, sowie verschiedene Medienfirmen beherbergt, als auch das Millerntor-Stadion, in dem alle zwei Wochen die Heimspiele des FC St. Pauli stattfinden.

Weitere regelmäßige, gut besuchte Veranstaltungen im Stadtteil sind der Hamburger Hafengeburtstag im Mai, der Schlagermove sowie das Reeperbahnfestival. Auch der St. Pauli Nachtmarkt ist etwas Besonderes und spiegelt den Charakter des Stadtteils und seiner Bewohner wider. Der Wochenmarkt mit Live-Musik findet jeden Mittwoch von 16 bis (je nach Jahreszeit) 22 bzw. 23 Uhr auf dem Spielbudenplatz statt.

Das vielleicht bekannteste Bauwerk St. Paulis ist der Heinrich-Hertz-Fernsehturm, mit 279,2 Metern das höchste Gebäude Hamburgs, der jedoch seit 2001 vorerst nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Architekturfreunde statten auch der backsteinernen Davidwache sowie der St. Joseph-Kirche gerne einen Besuch ab. An der Barockkirche, die die älteste katholische Kirche Norddeutschlands ist, ist vor allem bemerkenswert, dass sie mitten im Rotlichtviertel an der Großen Freiheit steht.

Und auch, wenn manch einer es kaum glauben mag, es finden sich auch ein paar grüne Flecken auf St. Pauli, zum Beispiel der Antonipark sowie kleinere Teile von Planten un Blomen sowie dem Alten Elbpark, die ebenfalls noch innerhalb der Stadtteilgrenzen liegen. Im zu St. Pauli gehörenden nördlichen Teil von Planten un Blomen finden auf dem Parksee im Sommer die Wasserlichtkonzerte statt.

Stadtteil-Charakteristika

  • #belebt
  • #citynah
  • #alternativ

(Titelbild: trabantos / Shutterstock)

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