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Wohnen in Hamburg-Sternschanze

Hamburgs kleinstes und zugleich eines der jüngsten Viertel zieht vor allem junge und alternative Menschen an. Doch auch die Alteingessenen lieben die Schanze und wollen gerne bleiben.

Die Sternschanze mit Schanzenpark und Wasserturm am Abend

St. Paulis schöne kleine Schwester

Die Sternschanze ist zwar der flächenmäßig kleinste Stadtteil Hamburgs, aber cooler geht es kaum. Eigenständig ist das Szeneviertel erst seit 2008, eigensinnig schon viel länger. Hier wohnen diejenigen, denen Eimsbüttel zu gediegen, Altona zu hässlich und St. Pauli zu verrucht ist.

Geografie und Geschichte der Sternschanze

Der kleine Stadtteil im Herzen von Hamburg ist nur knapp 0,6 Quadratkilometer groß und wird eingerahmt von St. Pauli, Eimsbüttel, Altona-Altstadt und Rotherbaum. Er gehört zum Bezirk Hamburg-Altona und ist im Wesentlichen identisch mit dem sogenannten Schanzenviertel.

Der Stadtteil wird durchschnitten durch eine mehrspurige Bahntrasse, der Verbindungsbahn zwischen Hamburg und Altona, auf der heute sowohl S-Bahnen als auch Nah- und Fernverkehrszüge verkehren.

Die Sternschanze wurde erst 2008, gemeinsam mit der HafenCity zum eigenständigen Stadtteil ernannt. Bis dahin gehörte es zu den Bezirken Altona, Eimsbüttel und Mitte, davon allerdings größtenteils zum Stadtteil St. Pauli.

Ihr Name geht zurück auf eine im 17. Jahrhundert angelegte sternförmige Verteidigungsanlage vor den Stadtmauern, die unter anderem die dänische Belagerung Hamburgs 1686 zum Scheitern verurteilte. Die Wallanlagen wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgebaut und das Gebiet zur kleinbürgerlichen Wohnsiedlung umgewandelt. Später siedelten sich vermehrt auch Unternehmen an, zum Beispiel die Pianofabrik Steinway & Sons sowie der Central-Schlachthof, der verschiedene Geschäfte mit Schlachterei-Bedarf nach sich zog.

Ebenfalls im heutigen Schanzenviertel eröffnete Carl Hagenbeck 1875 am Neuen Pferdemarkt seinen "Thierpark". Dort zeigte der Tierhändler nicht nur exotische Tiere, sondern hielt auch Völkerschauen ab, bei denen er zum Beispiel Eskimos, Nubier oder Lappländer vorgeführt haben soll. 1907 siedelte der Tierpark aus Platzgründen an den heutigen Standort in Stellingen um.

Die Hauptflaniermeile der Schanze war bis zum zweiten Weltkrieg und ist es heute wieder das Schulterblatt, das seinen Namen von einer Seemannskneipe hat, vor deren Tür ein Wal-Schulterblatt hing. Um 1700 begannen die Einwohner die ganze Straße danach zu benennen und seitdem trägt sie diesen ungewöhnlichen Namen.

In den 1970er Jahren wandelte sich die Sternschanze vom Arbeiterviertel, in dem viele Familien wohnten, zu einem alternativen Pflaster, das diesen Ruf bis heute, zumindest zum Teil, aufrecht erhält. Viele Familien zogen fort, da ihnen das Gebiet zu verkehrsreich und wenig grün war, dafür kamen Studenten und andere junge Leute, vor allem wegen der zentralen, uninahen Lage und der günstigen Mieten. Anfang der 1990er Jahre hatte das Viertel, vor allem das Gebiet um den Schanzenpark, unter Drogensüchtigen und Dealern zu leiden, die vertrieben aus der Innenstadt, hier ihr Lager aufschlugen und ihren "Aktivitäten" nachgingen.

Ende der 1990er/Anfang der 2000er wandelte sich die Sternschanze dann erneut: Seit sich viele kleine Unternehmen und Startups hier ansiedeln, ist die Schanze nicht länger als Drogenzentrum, sondern als cooles Szeneviertel bekannt.

Die rote Flora und der politische Protest

Die Geschichte und auch die Entwicklung des kleinen Stadtteils ist eng mit der der Roten Flora verknüpft, die 1886 als Konzerthaus eröffnet wurde und später erst ein Kino und dann ein Haushaltswarengeschäft beherbergte. Erst als 1987 der Cats-Betreiber sie zu einem Musical-Theater umbauen und hier das Phantom der Oper aufführen wollte, wurde sie zu dem, was sie bis heute geblieben ist. Ein Ort des linksalternativen Protestes. Durch massiven Widerstand von Anwohnern und anderen Umbau-Gegnern wurden die Pläne der Investoren verhindert. 1989 wurde das Gebäude im Zuge dessen besetzt, wird seitdem die Rote Flora genannt und fungiert als eine Art politisches Stadtteilzentrum. Nachdem auch die Stadt mehrfach mit verschiedenen Nutzungsplänen gescheitert ist, verkaufte sie die Rote Flora 2000 an den Immobilienkaufmann Klausmartin Kretschmer, der auch aufgrund einer "Veränderungssperre" die Hausbesetzer zunächst gewähren ließ. Nachdem es jedoch immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und den Bewohnern der Flora kam, kaufte die Stadt 2014 das Gebäude zurück und ließ es anschließend von ehrenamtlichen Helfern renovieren. Jetzt finden hier hauptsächlich alternative Konzerte, Kunstaktionen, Flohmärkte und andere Stadtteilarbeit statt.

Doch auch heute wird die Sternschanze immer wieder zu einem Ort des politischen Protestes. Viele Demonstrationen und Kundgebungen finden hier statt und auch von gewaltätigen Krawallen bleibt sie nicht verschont. Zuletzt herrschten in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2017 hier nahezu kriegsähnliche Zustände als etwa 2.000 Gegner des U20-Gipfels Feuerbarrikaden errichteten, Autos anzündeten, Geschäfte plünderten und sich mit der Polizei prügelten.

Leben und Arbeiten auf der Sternschanze

Das Straßenbild der Schanze ist geprägt von Altbauten in sehr unterschiedlichem Zustand. Die einen zeigen den alten, alternativen Charakter des jungen Stadtteils, sind weitestgehend sich selbst und Graffiti-Künstlern überlassen worden. Die anderen, direkt daneben, sind frisch saniert, haben weiß gestrichene Fassaden und beherbergen moderne Wohnungen oder schicke Büros von Werbeagenturen.

Diese Gentrifizierung ist ein großes, umstrittenes Thema auf der Sternschanze. Wie auch in anderen angesagten Stadtteilen Hamburgs ist die Verdrängung alteingesessener Bewohner durch rapide steigende Mieten in vollem Gange. Auch die Gewerbeflächen sind heiß begehrt und werden knapp. Hier sind in den vergangenen Jahren die Mieten pro Jahr um bis zu 60 Prozent gestiegen, sodass einige kleine, besondere Läden schließen und großen Ketten und Supermärkten weichen mussten. Die Aufwertung des Schanzenviertels, die in den 2000er Jahren einsetzte, hat also auch eine Kehrseite, besonders für diejenigen, die schon lange hier leben und denen das nötige Kleingeld fehlt, wie zum Beispiel Rentner, weshalb die Sternschanze auch von der Bevölkerungsstruktur her immer mehr als junges Viertel wahrgenommen wird.

"Gegeben hat mir die Schanze das Bewusstsein, wie wichtig Toleranz ist, Respekt und Zusammenhalt im Miteinander und klare Kante im Gegeneinander."

Andreas Burgmayer, Redakteur beim Hamburger Abendblatt und Schanzen-Bewohner seit 25 Jahren (Quelle: Abendblatt.de)

Dennoch bleibt sich die Schanze an vielen Stellen nach wie vor treu und versprüht weiter ihren besonderen, linksalternativen Charme. Und sie lebt auch irgendwie von den Gegensätzen, von den Straßenmusikern und Hausbesetzern auf der einen und den Hipstern auf der anderen Straßenseite, der kategorischen Konsumverweigerung hier und dem grenzenlosen Kommerz dort.

Und nicht zuletzt die Rote Flora, die wie ein Bollwerk gegen den Kommerz mitten auf dem Schulterblatt steht, wird wie es aussieht auch in Zukunft als Zentrum des linken Protestes bestehen bleiben.

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten auf der Sternschanze

Bummeln, Abhängen, Einkaufen, Schlemmen und Feiern - all das lässt sich auf der Schanze ganz ausgezeichnet und es ist für jeden was dabei. Das Zentrum bilden die Straßen Schulterblatt, Susannenstraße, Bartelsstraße und Schanzenstraße. Hier befinden sich kleine Läden mit Krimskrams und Platten neben teuren Boutiquen und großen Flagship-Stores, schicke Restaurants neben urigen Kneipen und gemütlichen Cafés sowie alternative Kellerclubs neben hippen Cocktailbars.

Jeden Sonnabend findet rund um die Alte Rinderschlachthalle zwischen Schanzen- und Karoviertel der beliebte Schanzenflohmarkt, die Flohschanze, statt. Im Sommer werden im Viertel zahlreiche Straßenfeste abgehalten. Wer abends feiern gehen möchte, dem bietet schon die Schanze genügend Möglichkeiten, doch auch St. Pauli mit Kiez und Karoviertel ist nicht weit. Generell sind die Aktivitäten hier eher auf junge als auf alte Leute ausgerichtet, im Gegensatz zu früher, wo auch die Alten hier ihre Treffpunkte hatten, wie einige der älteren Bewohner des Viertels heute bedauern.

Das Wahrzeichen des Stadtteils ist der 60 Meter hohe Schanzenturm aus dem Jahre 1910, der an der Stelle steht, wo sich früher die Befestigungsanlage befand, die der Schanze ihren Namen gegeben hat. Trotz Anwohnerprotestes beherbergt das monumentale Bauwerk seit 2007 das Mövenpick-Hotel. Der ehemalige Wasserturm befindet sich inmitten des Sternschanzenparks, der die Bewohner des Viertels besonders in der warmen Jahreszeit zum Grillen, Joggen oder Austoben auf dem großen Spielplatz einlädt. Im Winter wird der Park auch zum Rodeln genutzt.

Direkt neben dem Park verläuft die Bahnlinie, die natürlich für eine gewisse Geräuschkulisse sorgt, den Anwohnern aber gleichzeitig eine hervorragende Verbindung in die Hamburger Innenstadt und zum Nah- und Fernverkehr beschert. 

Stadtteil-Charakteristika

  • #belebt
  • #alternativ
  • #multikulturell

(Titelbild: FrankHH / Shutterstock)

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