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Wohnen in Hamburg-Wandsbek

Der Stadtteil Wandsbek ist ein Ort der Widersprüche: urban und grün, langweilig und belebt - und er befindet sich in einem sichtbaren Imagewandel. Willkommen in einem der unterschätzten Viertel Hamburgs.
Hamburg-Wandsbek Gartenstadt

Weniger ist mehr

Wandsbek ist nicht berühmt für seine schöne Architektur und auch nicht für sein lebendiges Nachtleben. Aber es ist das Viertel Hamburgs, in dem die kleinen Leute stark sind. Nachbarschaftlichkeit, ja eine fast dörfliche Gemeinschaft werden hier großgeschrieben, sodass nicht nur die Stadtplaner, sondern auch viele "alte" Wandsbeker bestrebt sind, ihrem Viertel einen neuen Anstrich und ein besseres Image zu verpassen.

Geografie und Geschichte von Wandsbek

Der Stadtteil Wandsbek liegt im gleichnamigen Bezirk, der zugleich der größte und mit über 442.000 Einwohnern bevölkerungsreichste Hamburgs ist. Er wird umringt von den Stadtteilen Bramfeld und Farmen-Berne im Norden, Tonndorf im Osten, Jenfeld im Nordwesten, Marienthal im Süden sowie Eilbek, Dulsberg, Barmbek-Süd und Barmbek-Nord im Westen. Der Stadtteil wird vom Fluss Wandse durchflossen, von dem sich auch der Name Wandsbek ableitet. Erstmals erwähnt wurde der Ort Ende des 13. Jahrhundert als Wantesbeke. Der Name setzt sich zusammen aus "Wand", vermutlich der Name des Gründers, sowie "Bek" für "Bach". Nachdem es im 16. und 17. Jahrhundert meist mit -ck geschrieben wurde, kehrte man 1877 zur ursprünglichen Schreibweise zurück.

Bis 1460 war Wandsbek eine kleine Bauernsiedlung mit nur wenigen Gehöften, danach wurde es zum Lehnsgut mit wechselnden Besitzern und gehörte fortan über 400 Jahre zu Dänemark. Einer von ihnen war Heinrich Rantzau, von 1556 bis 1598 Statthalter des dänischen Königs, der anfing die durch den Fluss vorhandene Wasserkraft zu nutzen. Um 1560 ließ er dafür die Wandse stauen (heute: Mühlenteich) und baute anstelle des alten Gutshauses ein Wasserschloss, die Wandesburg.

Ein weiterer wichtiger Besitzer war der deutsch-dänische Kaufmann und Sklavenhändler Heinrich Carl von Schimmelmann, der das Gut 1762 kaufte und schnell aus der bäuerlichen Siedlung einen florierenden Fabrik- und Handelsort mit Mühlen, Brauereien, Handwerks- und Gewerbebetrieben, unter anderem fünf Kattunbleichen mit insgesamt 1500 Beschäftigten, machte. Die Wandesburg ersetzte er durch ein prunkvolles, dreiflügeliges Herrenhaus mit großen Park, das später Wandsbeker Schloss genannt wurde. Zwei Löwen-Plastiken, die heute am Wandsbeker Markt aufgestellt sind, erinnern noch daran.

Im 19. Jahrhundert wuchs Wandsbek als Wirtschaftsstandort weiter und so endete 1833 mit der wachsenden Einwohnerzahl auch sein Status als Dorf. Nachdem der südliche Teil 1857 vom Grundstücksspekulanten Johann Anton Wilhelm von Carstenn erworben wurde, begann die planmäßige Erschließung des Gebietes, bei der der Besitzer nicht nur das Herrenhaus abreißen ließ, sondern auch große Grundstücke absteckte und gewinnbringend verkaufte. So entstand an dieser Stelle eine Art Villenvorort Wandsbeks.

Nach Ende des deutsch-dänischen Krieges gehörte der Ort ab 1864 zu Preußen, erhielt mit nunmehr 10.000 Einwohnern 1870 die Stadtrechte und wurde dann Verwaltungssitz des Landkreises Stormarn. Nachdem Marienthal und Hinschenfelde eingemeindet wurden, wuchs die Bevölkerungsanzahl bis 1908 auf fast 34.000 Einwohner und die Stadt hatte den Charakter eines Vorortes von Hamburg. Eingemeindet wurde Wandsbek, ebenso wie Altona, aber erst 1937 im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetztes durch die Nationalsozialisten. Im zweiten Weltkrieg wurde es großflächig zerstört, weshalb die heutige Bebauung hauptsächlich aus Nachkriegsbauten aus den 1950er Jahren besteht.

1951 wurde Wandsbek zum Stadtteil Hamburgs erklärt. Während das ehemalige Hinschenfelde in diesem Zuge zwischen Wandsbek und Tonndorf aufgeteilt wurde, wurde Marienthal zum eigenständigen Stadtteil.

Leben und Arbeiten in Wandsbek

Bis heute ist der Stadtteil Wohnviertel und Wirtschaftsstandort zugleich, der vor allem durch seine zentrale Lage punktet. Die Hamburger Innenstadt ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln in gut zehn Minuten erreichbar. Da die Architektur vielerorts durch große Gewerbeflächen und weniger schöne Nachkriegsbebauung geprägt ist, sind immer wieder Pläne zur Neu- und Umgestaltung, insbesondere des Zentrumbereiches im Gespräch und in der Umsetzung. Aktuell ist als neues Wahrzeichen des Stadtteils im Zuge der Neugestaltung des Zentrums das Wandsbeker Tor geplant, zwei Hochhäuser für Büros und Wohnungen mit 18 Stockwerken.

Neben dem Zentrum rund um den Wandsbeker Marktplatz und die Wandsbeker Marktstraße, besteht der Stadtteil noch aus zwei weiteren wichtigen Quartieren. Das Erste ist das Mühlen- bzw. Brauhausquartier nördlich der Wandsbeker Marktstraße, wo ein- bis zweigeschossige Nachkriegsgewerbebauten drei- bis viergeschossigen Neubauten mit viel Raum zum Wohnen und Arbeiten gewichen sind. In zwei Bauabschnitten sind hier knapp 300 neue Wohnungen entstanden, die auch Familien ins Zentrum locken sollen, das für diese bisher eher unattraktiv war. Das zweite Quartier liegt nördlich der Wandse und umfasst das ehemalige Dorf Hinschenfelde sowie die Gartenstadt Wandsbek. Dieses grüne Viertel mit Einfamilienhäusern und Wohnungen in ruhiger Wohnlage ist bei Familien hingegen heißbegehrt.

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in Wandsbek

Wandsbek punktet vor allem mit seinen grünen Oasen, nämlich den Flussauen der Wandse, dem Eichtalpark, dem Botanischen Sondergarten und dem Mühlenteich.

Der Eichtalpark befindet sich im Osten des Stadtteils auf dem ehemaligen Gebiet von Hinschenfelde. Er ist aus einer Eichenplantage entstanden, die der Großindustrielle Lucas Lütkens auf dem Anwesen seiner Sommerresidenz angelegt hat. Sein Enkel wandelte das Gelände schließlich in einen Park um, der nach dem Verkauf an die damals noch selbstständige Stadt Wandsbek ab 1926 zunächst als Stadtpark genutzt wurde. Heute führt ein Radwanderweg entlang der Wandse in den Park, der nicht nur über schöne Spazierwege, sondern auch große Wiesen zum Ausspannen verfügt.

Der vielleicht schönste Park Wandsbeks ist der Botanische Sondergarten, der seit 1956 als städtischer Botanischer Garten für die Öffentlichkeit zugänglich ist und gartendenkmalerisch gepflegt wird. Neben Erholung im Grünen wird hier, insbesondere Kindern und Jugendlichen, auch ein Bildungsprogramm mit Führungen, Veranstaltungen und Ausstellungen rund um die Themen Pflanzen, Tiere und Natur geboten.

In unmittelbarer Nähe zum Brauhausquartier befindet sich der Mühlenteich mit dazugehörigem, neugestalteten Park, die zentrumsnahste Grünanlage Wandsbeks, wo die Bewohner auch zwischendurch schnell mal dem Alltag und der hektischen Stadt entfliehen können, inklusive Kinderspielplatz und Modellbooten.

Am Mühlenteich liegt auch das noch relativ junge Kulturzentrum des Stadtteils, das Kulturschloss Wandsbek. Das Stadtteilzentrum wird von einem gemeinnützigen Verein getragen und bietet neben einem Café Raum für verschiedene Veranstaltungen in den Bereichen Musik, Kunst und Theater.

Im Zentrum des Stadtteils rund um den Wandsbeker Marktplatz sowie die Wandsbeker Marktstraße befinden sich zahlreiche Geschäfte für den täglichen Bedarf sowie das Einkaufszentrum Quarree, das neben verschiedensten Geschäften für Konsum- und Luxusgüter auch ein Kino beherbergt und vor einigen Jahren umfassend renoviert wurde. Auch der Marktplatz wurde erst 2005 umgestaltet und dient heute als Veranstaltungsfläche. Regelmäßige Events sind die vierwöchige Veranstaltung "Like Ice and Sunshine" im Sommer, inklusive Beachbar, Hafenlounge und Wasserballanlage, das Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn" im Herbst sowie der Weihnachtsmarkt "Wandsbeker Winterzauber" mit Eisbahn im Winter. Etwas Besonderes ist auch der Wandsbeker Wochenmarkt hinter dem Quarree, wobei die Betonung hier auf "Woche" liegt, denn er findet außer sonn- und feiertags täglich statt.

Architektonisch interessant ist das "Haus Neuerburg" in der Walddörferstraße 103, ein großes Beispiel für gelungene Industriearchitektur. Auch die Christuskirche mit ihrem markantem, schmalen Kirchturm ist einen Besuch wert.

Der berühmteste Wandsbeker ist vermutlich Matthias Claudius, dessen Denkmal heute den Wandsbeker Marktplatz ziert. Der Schriftsteller und Journalist ist vor allem für sein 1740 verfasstes "Abendlied" ("Der Mond ist aufgegangen...") bekannt. Er gilt zudem als Begründer des modernen Journalismus. Zwischen 1771 und 1775 war er Redakteur beim "Wandsbecker Bothen". Nach seinem Tod 1815 wurde er auf dem Alten Friedhof Wandsbek nahe der Christuskirche beigesetzt.

Stadtteil-Charakteristika

  • #urban
  • #bodenständig
  • #grün

(Titelbild: Staro1, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

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