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Energie-Anbieter wechseln und sparen

Wie finde ich den günstigsten Anbieter für Strom und Gas - und das bei extrem steigenden Preisen? Vergleichsportale helfen bei der Suche

Oberirdische Stromleitungen im Sonnenuntergang

Tendenz: steigend

Bei den Energiekosten gibt es momentan nur eine Richtung: nach oben. Nach Schätzungen der Verbraucherzentrale werden die Preise für Strom und Gas bis zum Jahresende noch um etwa zehn Prozent steigen (Stand: Anfang November 2021). Für Privathaushalte heißt das: Sie zahlen mitunter das Doppelte als vor 20 Jahren.

Schuld sind - einfach gesagt - verknappte Energie-Reserven, zu leere Speicher, die zu langsam aufgefüllt werden, weil zu wenig ankommt bzw. produziert wird. Im vergangenen kalten Winter haben sich insbesondere die Gasspeicher schneller geleert als erwartet. Hinzu kommt, dass in vielen Haushalten während der Corona-Pandemie der Verbrauch gestiegen ist, weil die Menschen mehr zu Hause waren und, auch durch Homeschooling und Homeoffice, mehr Energie verbraucht haben.

Kritiker machen auch die Klimapolitik mit der Einführung der CO2-Bepreisung von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid für die steigenden Energiepreise verantwortlich. Laut Ökonom Georg Zachmann (Quelle: Zeit online) beträgt deren Anteil jedoch nur etwa ein Fünftel.

Außerdem wird großen Unternehmen, unter anderen von den Grünen, vorgeworfen, den Gaspreis künstlich in die Höhe zu treiben, zum Beispiel dem russischen Gasproduzenten Gazprom, der zwar seine Verträge mit der EU erfüllt, aber die steigende Nachfrage trotz attraktiver Preise nicht bedient.

Es wird erwartet, dass die Gaspreise wieder sinken, sobald die neue Pipeline Nord Stream 2 ans Netz gegangen ist. Andererseits wird Europa dadurch auch abhängiger von Russland. Denn amerikanische Gastanker steuern derzeit lieber Asien an als Europa, da dort noch höhere Preise zu erzielen sind.

Fragen und Antworten zum Anbieterwechsel

Für wen lohnt sich ein Strom- und Gasanbieterwechsel?

Den Stromanbieter einmal zu vergleichen lohnt sich für jeden Mieter oder Eigentümer. Beim Gas haben Mieter hingegen kaum Spielraum, es sei denn, sie haben eine Gas-Etagenheizung (Anbieterwechsel möglich) und keine Zentralheizung (fester Lieferant).

Von einem Stromanbieterwechsel profitieren vor allem zwei Kundengruppen: Zum einen Menschen, die sich nach einem Umzug noch nie mit ihrem Stromanbieter befasst haben. Wer sich nicht aktiv kümmert, landet nämlich automatisch in der teuren Grundversorgung des lokalen Stromanbieters, zum Beispiel den Stadtwerken. Zum anderen Kunden, die eine Preiserhöhung erhalten haben. Dadurch haben sie ein Sonderkündigungsrecht (Fristen siehe Erhöhungsschreiben) und für sie lohnt sich ein Wechsel fast immer.

Was bringt ein Anbieterwechsel?

Der Wechsel spart in erster Linie natürlich Geld: In einer großen deutschen Stadt sparen Kunden beim Wechsel aus der Grundversorgung in einen verbraucherfreundlichen Tarif pro Jahr im Schnitt 30 Euro beim Strom (bei 3.000 Kilowattstunden Verbrauch) bzw. 60 Euro beim Gas (bei 18.000 kWh Verbrauch) (Quelle: Verbraucherzentrale, Stand: November 2021). Im Vergleich zu den vorherigen Jahren ist das, aufgrund der Marktlage, eine eher geringe Ersparnis. Lokal kann diese aber auch stark variieren. Vergleichen kostet nix.

Neben dem Finanziellen gibt es aber noch weitere Gründe, über einen Anbieterwechsel nachzudenken: Denn damit hast Du in der Hand, welchen Anbieter Du unterstützen möchtest. So kannst Du beim Stromanbietervergleich zum Beispiel auswählen, dass Du nur Ökostromanbieter angezeigt kriegen willst.

Wie häufig sollte man den Strom- und Gasanbieter wechseln?

Experten raten dazu, einmal im Jahr seinen Anbieter zu überprüfen, zum Beispiel mit einem Vergleichsportal. Wer keine Lust hat, sich jährlich damit zu befassen, kann einen Wechselservice in Anspruch nehmen, der sich automatisch um einen günstigeren Tarif kümmert.

Wie funktionieren die Vergleichsportale?

Für den Anbietervergleich brauchst Du zunächst nur Deine Postleitzahl und Deinen ungefähren Jahresverbrauch (siehe Jahresabrechnung), je genauer desto besser. Das Portal vergleicht dann automatisch Preise mit der Grundversorgung Deines lokalen Energiedienstleisters. Hast Du jedoch bereits einen anderen Anbieter / Tarif kannst Du diesen im nächsten Schritt einstellen.

Achtung: Häufig rechnen die Portale einen Wechselbonus mit ein, der aber natürlich nur im ersten Jahr zum Tragen kommt. Solltest Du also nicht jährlich Deinen Anbieter wechseln wollen, achte darauf, die Tarife ohne Bonus zu vergleichen (voreingestellt ist der Vergleich mit Boni)!

Welcher Tarif ist der Beste?

Als Faustregel gilt: nicht immer der Erste, der angezeigt wird. Als Kunde lohnt es sich bei den Vergleichsportalen immer, genau hinzusehen. Dabei solltest Du besonders auf vier Dinge achten: Im Idealfall hat der neue Tarif eine möglichst kurze Vertragslaufzeit, eine kurze Kündigungsfrist sowie eine Preisgarantie und keine automatische Verlängerung. Von Verträgen mit Vorauskasse, Pakettarifen oder Paketen mit automatischer Verlängerung solltest Du laut Verbraucherschützern lieber die Finger lassen. Leider werden Dir diese aber von den meisten Vergleichsportalen mit angezeigt.

Wie funktioniert der Anbieterwechsel?

Bei den allermeisten Vergleichsportalen kannst Du direkt wechseln, denn die Portale finanzieren sich durch Provisionen, die bei Vertragsabschluss von den Anbietern, zu denen gewechselt wird, bekommen. Die Kündigung und den Wechsel übernimmt der neue Anbieter, es sei denn, Du hast wegen einer Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht - dann solltest Du das wegen der kurzen Kündigungsfrist lieber selbst machen. Ein Wechsel aus der Grundversorgung ist in der Regel mit einer Frist von zwei Wochen möglich, bei anderen Tarifen / Anbietern gelten individuelle Fristen, die Du Deinem bisherigen Vertrag entnehmen kannst.